Mobiltelefonindustrie


Entwicklung

Derzeit ist die Mobiltelefonindustrie eine wachsende Branche: allein im Jahre 2003 stieg die Zahl der verkauften Mobiltelefone um 23,3 Prozent auf 533 Millionen. In den Jahren zuvor wurden nie mehr als 500 Millionen Mobiltelefone in einem Jahr verkauft. Damit profitierten die Hersteller der Geräte von der starken Nachfrage vor allem in den Schwellenländern Asiens und Osteuropas. Außerdem ersetzten im Jahre 2003 viele Nutzer ihre alten Mobiltelefone durch moderne Geräte. Im Jahr 2005 wurden 817 Millionen Geräte verkauft. Im folgenden Jahr 2006 waren es bereits 990 Millionen Geräte und im Jahr 2007 wurden 1,1 Milliarden Mobiltelefone weltweit verkauft, für das Jahr 2008 werden 1,25 Milliarden Mobiltelefonverkäufe erwartet.

Die Industrieländer gelten jedoch mittlerweile als gesättigte Märkte (so besitzen 78,4 Prozent der Bundesbürger bereits ein Mobiltelefon), auch wenn versucht wird, für hochwertige Mobiltelefone (integrierte DigitalkamerasMP3-Player und Farbdisplay) durch neue Verkaufsideen neue Konsumenten zu gewinnen. Die Netzbetreiber – in Deutschland T-Mobile,VodafoneE-Plusvistream und O₂ – verkaufen subventionierte Geräte, um Marktanteile zu gewinnen. In den Jahren 2003/04 gab es vor allem eine große Nachfrage nach günstigen Einsteigermodellen. In Schwellenländern wie der Volksrepublik ChinaIndonesienIndienRussland und Brasilien haben die Verkäufe 2004 die Erwartungen der Hersteller weit übertroffen. In diesen Ländern sind äußerst preiswerte Modelle besonders gefragt. Hier unterbieten sich einige Hersteller gegenseitig mit „abgespeckten“ Mobiltelefonen.

Weltmarktführer bei Mobiltelefonen ist das finnische Unternehmen Nokia mit einem Weltmarktanteil von 33 % im Jahr 2004. Jedoch fiel bei Nokia der Nettogewinn im Schlussquartal 2004 um 13 % geringer aus als ein Jahr zuvor. Bei Samsung, weltweit die Nummer drei, sank jedoch die Gewinnmarge von 13 % im dritten auf 3 % im vierten Quartal. Vor allem die asiatischen Hersteller wie LG ElectronicsNingbo BirdHaier, Konka, Spice Telecom und TCL konnten ihre Marktanteile erhöhen. Zwischen den Herstellern und Netzbetreibern herrscht ein zunehmend starker Wettbewerb, der dazu führte, dass Siemens seine defizitäre Mobilfunksparte im Oktober 2005 an die taiwanische Firma BenQverkaufte. Mittlerweile musste BenQ-Mobile aufgrund des starken Wettbewerbs allerdings Insolvenz anmelden.

Das starke Umsatzwachstum der Jahre 2002 und 2003 flaut bei Mobiltelefonen derzeit ab. 2004 hat sich das Wachstum auf 32 % fast halbiert. Für 2005 wird nur noch ein weltweites Wachstum von 8 % erwartet. Es scheint schon jetzt, als müssten sich die Mobiltelefonhersteller 2006 ebenfalls auf einstellige Wachstumsraten einrichten. Der Mengenabsatz werde zwar weiter steigen, aber die Gewinnmargen bleiben unter Druck. Selbst in manchen Metropolen neuer Marktregionen wie Peking und Jakarta scheint sich schon 2005 eine leichte Sättigung bemerkbar zu machen.

Besonders kräftiges Wachstum verzeichneten Anfang 2005 die sogenannten Smartphones, also Mobiltelefone mit PDA-Funktionalität. Der Absatz dieser Geräte kletterte bereits 2004 um 181 Prozent auf 9,6 Millionen.

Weltweite Marktanteile

Die weltweiten Verkaufszahlen und Marktanteile nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner Inc.

RangHerstellerLandVerkaufszahlen 2010Marktanteil 2010Verkaufszahlen 2009Marktanteil 2009
1. Nokia Flag of Finland.svg 461.318.200 28,9 % 440.881.600 36,4 %
2. Samsung Flag of South Korea.svg 281.065.800 17,6 % 235.772.000 19,5 %
3. LG Electronics Flag of South Korea.svg 114.154.600 7,1 % 121.972.100 10,1 %
4. Research In Motion Flag of Canada.svg 47.451.600 3,0 % 34.346.600 2,8 %
5. Apple Flag of the United States.svg 46.598.300 2,9 % 24.889.700 2,1 %
6. Sony Ericsson Flag of Sweden.svg/Flag of the United Kingdom.svg 41.819.200 2,6 % 54.956.600 4,5 %
7. Motorola Flag of the United States.svg 38.553.700 2,4 % 58.475.200 4,8 %
8. ZTE Flag of the People's Republic of China.svg 28.768.700 1,8 % 16.026.100 1,3 %
9. HTC Corporation Flag of the Republic of China.svg 24.688.400 1,5 % 10.811.900 0,9 %
10. Huawei Flag of the People's Republic of China.svg 23.814.700 1,5 % 13.490.600 1,1 %
  Sonstige Hersteller   488.569.300 30,6 % 199,617.200 16,5 %
  Insgesamt   1.596.802.400 100 % 1.211.239.600 100 %

Rohstoffsituation

Bei der Menge an Mobiltelefonen und anderer Elektronik stellen sich Engpässe in der Rohstoffversorgung ein. 2010 bestehen knapp 5 Milliarden Mobiltelefonverträge weltweit und es werden jährlich eine Milliarde Geräte hergestellt, die Haltbarkeit oder Nutzungsdauer liegt im Mittel bei drei Jahren. Ein Mobiltelefon besteht zu 56 % aus Kunststoff, zu 25 % aus Metall und zu 16 % aus Glas und Keramik, zusätzlich zu 3 % aus Sonstigem.

  • Tantal: Kondensatoren mit Tantal haben eine lange Lebensdauer, geringe Verluste, sind beständig gegen starke Temperaturschwankungen und es gibt momentan (2010) keinen Austauschstoff. Kondensatoren mit Aluminium, Keramik, Niob sind noch in der Entwicklung. Coltan, das Ausgangsmaterial für Tantal reicht noch 150 Jahre, aber die Produktion ist begrenzt.
  • Indium: Pro Jahr werden 600 t raffiniert. Die Gewinnung ist an die Förderung von Zink gebunden. Indiumzinnoxid (ITO) ist transparent, besitzt fast metallische Leitfähigkeit und ermöglicht bei Displays eine leitfähige Beschichtung. Für Flachbildschirme, Displays und Leuchtdioden ist es bislang unersetzlich.
  • Gallium: Es ist Nebenprodukt der Aluminium- und Zinkherstellung. Zwar sind die Reserven nicht knapp, aber die Gewinnung hängt von konjunkturellen Schwankungen der Hauptmetalle ab. Eingesetzt wird es als Galliumarsenid zur Umwandlung elektrischer in optische Signale.
  • Lithium ist das Metall für leistungsstarke Akkus. Die Nachfrage für Akkus bei Elektroautos führt zu einer starken Nachfrage.
  • Palladium weist gute elektrische und mechanische Eigenschaften auf, ist korrosions- und oxidationsbeständig. Die begrenzte Rohstoffmenge wird von der Nachfrage aus der Automobilindustrie bedrängt.
  • Platin ist wichtig für hochbelastete und korrosionsbeständige Kontakte an Leiterplatten. Auch hier besteht eine hohe Nachfrage aus der Automobilindustrie für die Katalysatorherstellung. Weitere große Verbraucher sind die Schmuckindustrie und die Hersteller medizintechnischer Produkte.

Weitere wichtige Metalle sind Kupfer (Leiterplattenherstellung), Gold und Silber (korrosionsbeständige Kontaktoberflächen, Bond-Verbindungen) sowie Zinn und Blei (Lötverbindungen). Blei wird aufgrund von RoHS bei neuen Mobiltelefone allerdings kaum mehr eine Rolle spielen. Auch Beryllium ist als gut legierbarer Stoff in Leiterplatten enthalten. Antimon ist Bestandteil von bleifreien Loten und insbesondere in den Kunststoffgehäusen und der Tastatur als Flammhemmer enthalten.

Das Recycling erfordert das Trennen des Materialgemisches. In einer Tonne „Mobiltelefon“ sind immerhin 4 Gramm Platin, 340 Gramm Gold und 3500 g Silber enthalten. Deshalb gilt das Recycling verbrauchter Produkte als wichtige Rohstoffquelle. Dazu wäre eine spezialisierte Industrie und die komplette Rücknahme verbrauchter Mobiltelefone nötig.

Diebstahl

Mobiltelefone sind beliebte Diebstahlobjekte, wobei nicht nur angeschaltete, angemeldete Mobiltelefone interessant sind (da der Dieb mit ihnen ohne eigene Kosten telefonieren kann), sondern auch ausgeschaltete, über die PIN auf der SIM-Karte gesicherte Telefone. Die SIM-Karte kann jederzeit problemlos entfernt werden. Handelt es sich um ein nicht auf einen bestimmten Netzbetreiber zugelassenes Gerät, muss lediglich eine neue SIM-Karte eingelegt werden, um das Gerät auf dem grauen Markt als vollwertig anbieten zu können. Um das zu verhindern, empfiehlt sich das Sichern des Gerätes durch einen sogenannten Sperrcode oder auch Sicherheitscode. Gemäß seiner jeweiligen Einstellung wird das Gerät dann nach einer bestimmten Inaktivitätszeit oder nach dem Ausschalten deaktiviert und ist nur mit Hilfe des Codes wieder zu aktivieren. Der Nutzen des Sicherheitscodes ist jedoch begrenzt, da er vom Dieb durch Generieren eines Sicherheits-Mastercodes umgangen werden kann. Der Sicherheitscode sperrt das Mobiltelefon, während der PIN-Code die SIM-Karte sperrt.

Eine neue Form des Diebstahlsschutzes hat nun Samsung bei seinen neuesten Modellen eingeführt. uTrack sendet dabei nach Diebstahl oder Verlust des Mobiltelefons, wenn ein Dieb oder Finder eine andere SIM-Karte einlegt, eine SMS mit der „neuen“ Nummer der eingelegten SIM-Karte an eine vorher eingegebene Telefonnummer. So kann dann der rechtmäßige Eigentümer selbst oder durch Weitergabe an die Polizei dieOrtung durchführen.

Bei Diebstahl eines Handys (mit Karte) empfiehlt sich also zweierlei:

  1. Beantragung der Sperrung der Nummer (abhängig von der SIM-Karte: Angabe der eigenen Nummer und eines evtl. vereinbarten Passwortes)
  2. Beantragung der Sperrung des gesamten Gerätes über die Angabe der geräteabhängigen IMEI-Nummer (oft auf dem Kaufvertrag oder der Originalverpackung angegeben. Die IMEI-Nummer steht auf dem Typenschild und kann auch durch Eingabe von *#06# angezeigt werden). Trotz der vorhandenen technischen Möglichkeit sperren jedoch nur wenige Netzanbieter Geräte anhand der IMEI-Nummer.

Schutz vor Verlust

Eine einfache Lösung zum Schutz vor Verlust ist die Verwendung eines zweiten, sehr kleinen, batteriebetriebenen Funkgeräts geringer Sendeleistung (1mW), das gefahrlos ohne Belastung durch Strahlen und ohne jede Bedienung ein akustisches Signal abgibt, wenn der Träger des Mobiltelefons dieses liegen lässt und sich entfernt.

Simlock

SIM-Lock (auch Netzcode) ist ein Verfahren, mit dem Mobiltelefone an eine SIM-Karte, einen Netzbetreiber oder an eine bestimmte Vertragsform gebunden werden. Ein mit SIM-Lock versehenes Mobiltelefon ist, zumindest in Deutschland, nur mit der einen, beim Kauf des Telefons mitgelieferten, SIM-Karte verwendbar. Das Mobiltelefon kann somit mit keiner anderen SIM-Karte, auch nicht mit einer SIM-Karte desselben Netzbetreibers, betrieben werden.

War SIM-Lock in Deutschland vor allem bei Prepaid-Paketen üblich, werden mittlerweile immer häufiger auch subventionierte Mobiltelefone mit Vertragsbindung gesperrt, dann allerdings mit dem kundenfreundlicheren Netlock. Ein mit Netlock gesperrtes Telefon kann zumindest mit anderen SIM-Karten desselben Netzbetreibers benutzt werden.

Der Paketanbieter beabsichtigt mit der ganz oder teilweisen Sperrung des subventionierten Mobiltelefons, dass der Kunde nicht bei der Konkurrenz „fremdtelefoniert“. Nur so kann er sicherstellen, dass sich die Subventionen bei den Gerätekosten durch Gesprächseinnahmen wieder ausgleichen.

Üblicherweise kann der SIM-Lock und der Netlock nach Ablauf von zwei Jahren kostenlos oder innerhalb dieser Frist gegen Zahlung einer Gebühr um 100 Euro deaktiviert werden.

Daneben existieren im WWW Anleitungen und Software zum selbständigen Entfernen von SIM- und Netzsperren. In manchen EU-Ländern ist das eigenmächtige Entsperren illegal.

Mobiltelefontarife

Für die Nutzung bestimmter Dienstleistungen im Mobilfunk fallen Gebühren an, die vom Anbieter („Provider“) geschaffene Kostenregelung für diese bezeichnet man als Mobiltelefontarif. Unterschiede bei Mobiltelefontarifen gibt es hauptsächlich in der Art der kostenpflichtigen Leistungen, den Preisen und der Abrechnungsart.

Kostenpflichtige Leistungen

Das Verschicken von Kurzmitteilungen und das Telefonieren sowie alle anderen Dienste, bei denen Daten über das Mobilfunknetz versandt werden, werden in der Regel in Rechnung gestellt. Ausnahmen bilden meistens die Abfrage des Kontostandes, oft – aber nicht immer – auch das Abrufen der Mobilbox.

Preise

Der Preis orientiert sich im Allgemeinem an der Art (und Dauer) der Leistung und den verwendeten Netzen, gelegentlich auch der Tageszeit/ dem Wochentag.

  • Art der Leistung:
  1. Anrufe: Preis von der Dauer/ Taktung (Abrechnung pro Sekunde, Minute usw.) abhängig.
  2. Text-/ und Datensendungen (SMS, MMS, usw.): Preis von Größe abhängig, aber nicht unbedingt proportional ansteigend (d.h. eine MMS fasst ein Vielfaches an Daten als eine SMS, ist aber nicht um den gleichen Faktor teurer)
  • Verwendete Netze: Generell sind Gespräche im Netz des eigenen Anbieters günstiger als jene von Fremdanbietern oder ins Festnetz; Auslandsgespräche sind generell teurer als Inlandtelefonate.
  • Tageszeit/Wochentag: Abends und nachts sind die Leistungen meist günstiger als am Tage, feiertags sind die Kosten geringer als werktags.

Abrechnungsart

Es werden zwei Hauptarten der Abrechnung unterschieden:

  • Beim Postpaid, umgangssprachlich häufig auch „Mobiltelefonvertrag“ genannt, werden die Kosten für die Leistungen nachträglich im Rahmen einer festen Vertragsbindung einbezogen (die Mindestvertragsdauer beträgt im Normalfall zwischen 18 und 24 Monate). Oft enthalten sind Grundgebühren und Mindestumsätze. Allerdings existieren auch Postpaid-Anbieter ohne zeitliche Vertragsbindung. Auch erhältlich sind Spezialtarife mit pauschaler Abrechnung, die oft werbewirksam als Flatrates bezeichnet werden.
  • Beim Prepaid wird jede Leistung direkt von einem aufladbarem Guthabenkonto abgebucht, Grundgebühren und Mindestumsätze kommen in Ausnahmefällen vor.

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